Headshop Darmstadt

WIE ALLES BEGANN

Deutschland, Herbst 1993

Cannabis war nicht nur illegal sondern verteufelt. Neben amotivalem Syndrom, Abhängigkeit und dem Einstiegsdrogenmärchen wurde vor allem mit dem Vorwurf, Cannabis sei genschädigend und hirnschädigend ordentlich Panik verbreitet.

Im 12. jahr der nichtsahnend, dass sie in weniger als einem halben Jahr den größten Poliezeieinsatz in der Geschichte Darmstadts auslösen würden, die rot–grüne Koalition zu Fall bringen, nebenbei die gesamte Verwaltungsgerichtsbarkeit in drei Bundesländern und auf Bundesebene in mindestens 15 teilweise parallelen Prozessen beschäftigen würden und es mit vielen Ordnungsämtern und Bürgermeistern, den Regierungspräsidien und Kriminalpolizeien in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland–Pfalz zu tun bekommen würden, nichtsahnend von alledem saßen ein paar Kumpels miteinander rum, rauchten soviel es ging und regten sich auf, daß Cannabis illegal war.

„Warum tut Keiner was?”

„bringt eh Nichts. Hanf hat keine Lobby. Politiker reagieren nur auf Druck und Einflussnahme. Nur weil etwas ungerecht ist und unlogisch ändert von denen, die uns regieren Keiner was.”

„und warum machen wir keinen Druck? Lasst uns einfach loslegen! Die Legalisierung fordern. Es gibt millionen von Konsumenten!"

Es wurde beschlossen eine kleine Aktion zu starten: mit ein paar Gleichgesinnten vor die Polizeiwache ziehen und gemeinsam ein Smoke–in veranstalten, viele dicke Joints rauchen, ein paar Transparente hochhalten. Als eine Art Demo. In den folgenden Tagen kam die Angst auf, dass wir wahrscheinlich einfach alle verhaftet werden würden. Also wurden 500 Flyer durch den Kopierer gejagt und verteilt. Es wurden Wetten darüber abgeschlossen ob 50 oder 100 Leute oder überhaupt niemand erscheinen würde.

Als wir dann am 25.November 1993, an einem klirrend kalten Novemberabend, zum Polizeirevier 1 liefen, bewaffnet mit 60 dicken Tüten, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus: mehr als 1000 Gleichgesinnte drängelten sich vor dem Polizeiprasidium, rauchten was das Zeug hielt, feierten eine Party, freuten und umarmten sich. Sie standen so dichtgedrängt, dass der Strassenbahnverkehr zum erliegen kam.

Es war spürbar: hier war der Anfang von etwas Großem. Etwas, was unser Leben verändern würde. Eine handbreit Schwarz–weiss-Kopien waren in der Lage über 1000 Leute in einer lausig kalten Nacht zum so einer Aktion zu bringen. es ging los...

Wir gründeten die Arbeitsgemeinschaft Hanf und beschlossen für den Mai 1994 eine große Demo mit einem großen Konzert und Podiumsdiskussion in Darmstadt, das sogenannte Cannabis Weekend. Um Schulden zu begleichen gründeten wir anschliessend das grow! Magazin mit der Band „die ärzte” und eröffneten einen kleinen Head und Growshop .

WIE MAN DAS GROW MAGAZIN GRÜNDET

Nachdem der größte Polizeieinsatz in der Geschichte Darmstadts unser geplantes Cannabis Weekend zwar nicht verhindern, aber dennoch sehr im Ablauf beeinflusst hat, saßen der innere Kern der AG–Hanf auf einem immensem Schuldenberg. Wir waren alles keine Großverdiener und wussten nicht wie wir die 40 000,– DM jemals hätten zurückbezahlen können. Nach einigem hin und her kamen wir auf die grpßartige Idee mehrere Firmen zu gründen um so an Geld zu kommen – dies in völliger Unkenntnis der simpelsten ökonomischen Realitäten, wie besipielsweise der, dass man um Ffirmen zu gründen erst einmal Geld benötigt, bevor es ans verdienen geht. Wir gründeten dope records – ein Plattenlabel, den Growshop, auf dessen Internetseite ihr euch gerade befindet , und das grow! Magazin, ein bundesweit erscheinendes Marijuana Magazin. Im rahmen des Cannabis Weekends waren wir seit längerem in Kontakt zu den Toten Hosen, welche als klar war, dass es zu keinem regulären Auftritt an unserem weekend kommen würde, sofort zusagten für unsere Benefiz CD, die wir nach dem desaströsen Polizeieinsatz zusammenstellten und die auf unserem eigenem Label (dope records) erschien, einen Song bereitzustellen. Als wir nach Geldgebern für das geplante Marijuana Magazin suchten, waren die Toten Hosen ebenfalls interessiert. Dann aber bekam die Band „die Ärzte”, welche ein grandioses Comeback erlebten, Wind von unseren Plänen und wollten den Toten Hosen dahingehend eins auswischen, nun selbst mit in unsere Zeitung einzusteigen.

Und so kam es, dass im sommer 1995 Bela B. von den Ärzten mit mir und zwei meiner AG-Hanf Mitstreitern die HVD GmbH gründeten welche das grow! Magazin herausbrachte. Das Magazin war und ist ein grosser Erfolg und erscheint mittlerweile im 13. Jahr!

Nebenbei eröffneten wir noch den grow!-Shop in Darmstadt und übernahmen anschließend auch SubCity in Frankfurt, der ebenfalls seit 13 Jahren für blühende Landschaften in euren Wohnungen sorgt und in dem ich oft die Ehre habe euch persönlich begrüßen zu dürfen.

WIE MAN DEN NAMEN ROOR ERFINDET

Mitte der 90er jahre waren die Bemühungen verschiedener legalize–it Gruppen ein großes Thema in den Medien. Wir von der AG–Hanf konnten uns vor Interviewanfragen kaum retten; mehrere Zeitungs- und Radiointerviews am Tag mussten bewältigt werden; Spiegel, Stern, Focus, HR3, SWR3, und so weiter, und so fort – Alle wollten wissen wann und wie Cannabis nun legal werden würde. In dieser Zeit lernte ich den Frankenthaler Glasbläser Martin Birzle kennen. Er besuchte unsere Sitzungen und unterstützte uns wo er nur konnte. Seine Fähigkeit, Bongs in noch nie dagewesenen Gormen herzustellen war damals schon legendär und Jedermann zollte ihm großen Respekt.

Während wir in unserem Büro alle Hände voll mit Interviews, Gerichtsverfahren und dem Gründen verschiedener Firmen zwecks Generierung von Kapital für unsere Legalize–it Aktivitäten zu tun hatten, beschloss Martin Birzle ebenfalls eine Firma zu gründen, welche schlichtweg DIE besten Glasbongs der Welt produzieren sollte. Martin brauchte nur noch einen markennamen – die verschiedenen Bongdesigns hatte er schon hergestellt.

Ich war damals noch Student der Biologie und Chemie und hatte gerade eine Reihe von Vorlesungen und Laborpraktika im Fach Mikrobiologie. Eines meiner Lehrbücher trug den Titel „biology of microorganisms”. Wenn ihr euch dieses Wort ein wenig länger anschaut, werdet ihr sehen, was ich damals plötzlich in diesem Wort sah: micROORganisms. Aufgeregt rief ich Martin an:

„Martin, wie wärs mit ROOR ?!”

„ich soll meine Firma Rohr nennen?

„nein nicht Rohr. ROOR ohne „h” schreib mal auf. Es klingt geil und sieht geil aus!

Zum ersten mal lehnte er einen Vorschlag von mir nicht sofort ab:

„Marcus... das könnte es sein!”

Thomas, unser Grafiker schuf den Schriftzug in seiner heutige Form und Mr Roor und ich sind seitdem gute Freunde.

WIE MAN VERLEGER VON "MR NICE" WIRD

Ein Kumpel aus der guten alten Zeit namens Ralf kam eines Tages in die grow! Redaktion in die elisabethenstrasse und hielt mir eine Ausgabe des deutschsprachigen „Rolling Stone” Magazins unter die Nase. „kennst du Mr Nice?” fragte er. Kannte ich nicht. Und begann einen Artikel über einen gewissen Howard Marks, ehedem der grösste Marijuana Dealer aller Zeiten, zu lesen. Was über diesen Typen in der Zeitung stand haute mich um. 43 falsche Namen, hunderte Tarnfirmen, der Grösste.... der Beste... Wahnsinn! Als Gründer und Herausgeber des wichtigsten deutschen Marijuana Magazins wurde mir schnell klar: wir brauchen ein Interview mit diesem Mann! Im Artikel stand, er sei inwzischen wieder auf freiem Fuss und er hätte ein buch mit dem Titel Mr Nice geschrieben.

Ich besorgte mir das Buch sofort und war sofort ein großer Fan. Howard Marks war das achte Weltwunder, ein dealender Tausendsasssa, ein Superstar. Wie aber sollten wir an ihn herankommen? Ich begann der Redaktion des Rolling Stone Briefe zu schreiben mit kollegialen grüßen und der Bitte mir zu helfen einen Interviewtermin mit ihm auszumachen. Nichts geschah. Nach insgesamt einem Jahr (sic!) Bitten und Betteln hatten sich die Leute vom Rolling Stone immer noch nicht gemeldet und ich war der Verzweiflung nahe. Irgendein Spassvogel schlug vor, ich solle doch mal bei der Auskunft anrufen. Im seinem Buch stand, er würde auf Mallorca leben und mit dem Gedanken spielen, Anwalt zu werden. Ich war verzweifelt, ich hatte ein Jahr nichts erreicht. Also versuchte ich es:

„Guten Tag, hier ist die Auslandsauskunft”

„hallo, ich suche die eine Nummer in Spanien von einem gewissen Herrn Howard Marks.”

„wo in Spanien?”

„...äh... Mallorca...”

„wo in Mallorca?”

auf diese Frage war ich nicht vorbereitet. Mir fiel auf, dass ich keine mallorcinischen städtenamen wusste.

„... äh....tja... Hauptstadt!”

„sie meinen Palma?” säuselte die freundliche Stimme, die mich ziemlich sicher für bekloppt hielt.

„...äh... ja... Palma”

nach einer kurzen Pause sagte sie :„tut mir leid, dort gibt es keinen Eintrag mit dem Namen Howard Marks”

Meine Felle schwammen davon. Ich kam mir mehr als blöd vor, auch nur für ein paar Minuten, die Hoffnung gehegt zu haben, der größte Dealer der Welt und meistgesuchte Verbrecher Amerikas könnte sich einfach mit richtigem Namen in ein spanisches Telefonbuch eintragen lassen.

Der freundlichen Stimme war meine Enttäuschung nicht verborgen geblieben. Sie sagte: „ es gibt hier eine Judith Marks.”

Aus dem Buch Mr Nice wusste ich, das Judith der Name seiner Frau war. „Her damit! Ich wählte die Nummer und bekam eine Frau ans Telefon „this is judith marks”

Sie gab mir die Handynummer von Howard, ich wählte und eine rauchige, freundliche Stimme meldete sich. Er war es! Ein Interviewtermin war kein problem, wir verabredeten uns in einem Londoner Pub und keine drei Tage später saß ich mit unserem Fotografen Jojo im „filthy mc nasty´s” und wartete auf den großen Meister. Weil Howard aber in Manchester mit Michael Hutchence (inxs) und anderen Promis einen wilden Rave am feiern war, verspätete er sich um zwei volle Tage.

Das Interview wurde fantastisch, Howard zündete den ersten Joint ca. 5 Sekunden nach seinem Eintreffen an und es floss reichlich Bier. Er nahm uns dann mit zu verschiedenen anderen Terminen in London, und überall wo wir eintrafen, bildeten sich menschenmengen, die ihn sehen wollten – nur Popstars werden so gefeiert. Es wurde eine wilde Londoner Partynacht...

Irgendwann, als es bereits hell wurde, fragte ich ihn wer die deutsche übersetzung von MR NICE machen würde. Er sagte es hätten viele große Verlage angefragt. (MR NICE erschien bei Secker & Warburg just in dem Moment wo es zu einem Bestseller wurde, wurde Secker & Warburg von random house, einer amerikanischer Firma und seineszeichens größten Buchverlags der Welt übernommen. In der selben Woche als ich Howard um die Rechte für den deutschen Markt bat, wurde random house wiederum von Bertelsmann übernommen.)

„ can i publish the book in germany, Howard? I own a marijuana magazine called grow! and i have never ever published a book.”

„you can have it, marcus.”

MR NICE wurde inzwischen in 5 Sprachen übersetzt, allein die englische Ausgabe verkaufte sich über eine million mal. Die deutsche Version ist die erfolgreichste Übersetzung und wurde mit 100 000 verkauften Exemplaren auch hierzulande zum Bestseller. Unseren Laden in Frankfurt haben wir dann auch nach ihm benannt.

 

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